Ideas factory: Ein deutscher Monkey Cage

Akademiker müssen raus aus dem Elfenbeinturm. Oder warum die deutsche Politikdebatte einen monkey cage braucht.

Die politische Debatte in Deutschland wird dominiert von den großen Medienangeboten, Spiegel, Zeit etc. Neue Stimmen werden oft ignoriert und im Fernsehen werden immer die gleichen Politikexperten befragt. Dabei haben wir in Deutschland eine Resource, die die politische Debatte zumindest bereichern würde: Tausende Politikwissenschaftler, Historiker, Soziologen, Kommunikationswissenschaftler forschen an Universitäten genau an den politischen und sozialen Themen, die die Öffentlichkeit diskutiert.

Das Problem: Niemand nimmt sie wahr. Es gibt keinerlei Medienangebot, dass versucht relevante Forschung so zu präsentieren, dass es eine an Politik interessierte Öffentlichkeit ansprechen würde. Es gibt natürlich einige interessante Angebote, wie z.B. Verfassungsblog, SozBlog, Sicherheitsblog oder die ScienceBlogs. Was fehlt ist die Reichweite und das Potential eine öffentliche Debatte auch mal lostreten zu können.

Im Gegensatz zu Großbritannien (z.B. the conversation) oder den USA (z.B. monkeycage) gibt es in Deutschland kein Medium für Wissenschaftler, dass eine gewisse öffentliche Reichweite hat (mal abgesehen vom Feuilleton der FAZ wo sich ja gerne Professoren streiten). Das liegt zu einem an einem anderen Verständnis von Wissenschaft im öffentlichen Raum aber auch an unterschiedlichen Medienlandschaften. Gerade in der deutschen Wissenschaft gibt es eine Elfenbeinturmkultur, die sich traditionell schwer tut mit der Öffentlichkeit. Aber mit der Internationalisierung der Wissenschaft gibt es heute eine jüngere Generation von Wissenschaftlern an deutschen Universitäten, die in den USA oder Großbritannien wissenschaftlich sozialisiert wurden. Diese neue Generation hat weniger Probleme sich der Debatte zu stellen.

Brauchen wir in der deutschen Politikdebatte also sowas ähnliches wie den @monkeycageblog in den USA? Also ein Forum für die hiesigen Politik- und Sozialwissenschaftler um ihre Forschungsergebnisse/Expertise in die öffentliche Debatte einfließen zu lassen? Vielleicht nicht nur auf Deutsch sondern auch auf Englisch? Das würde die deutschen Debatte auch international bekannter machen und vielleicht auch das Verständnis für deutsche und Europäische Perspektiven erhöhen.

https://www.washingtonpost.com/news/monkey-cage/?utm_term=.0e489e67aceb

Natürlich würde so etwas nur funktionieren mit einer professionellen Redaktion (was Geld kostet) oder als integraler Bestandteil eines existierenden Medienangebots. Der Stil sollte sich an eine breite Öffentlichkeit richten, was oft eine Herausforderung für Wissenschaftler darstellt. Deshalb ist es meines Erachtens elementar wichtig ein Team von Journalisten zu haben, dass nicht nur potentielle Autoren findet, kontaktiert und überzeugt etwas zu schreiben (und dann die Texte so redigiert, dass es sich wie ein journalistischer Text liest) sondern auch in der Lage ist, Texte in Auftrag zu geben, um auf aktuelle Debatten und Themen reagieren zu können. Das kann natürlich alles ausgebaut werden — mit podcasts, infographics, videos etc. (was aber auch Geld kostet)

Aber: Nur so kann ein Angebot entwickelt werden, dass die politische Debatte auf ein höheres Niveau hebt, den Kontext erklärt, und politische Prozesse auch mal in einen größeren Zusammenhang bringt. So ein Angebot könnte dazu beitragen, Politik verständlich(er) zu machen und gleichzeitig zu zeigen, wie sozialwissenschaftliche (oder auch historische) Forschungsergebnisse die Debatte bereichern können. Und vielleicht hat es sogar einen Einfluss auf politische Entscheidungsträger oder die öffentliche Debatte.

Das Wichtigste und gleichzeitig die größte Herausforderung: Es muss sich für Wissenschaftler lohnen sich in Debatten einzumischen. Da es Zeit kostet, muss dies auch als Leistung am Arbeitsplatz anerkannt werden. Dazu braucht es ein Umdenken an den Universitäten.

Falls also jemand Interesse hat, so ein Projekt an den Start zu bringen oder mal grundsätzlich darüber zu diskutieren, könnt ihr euch natürlich bei mir melden (andreas@policylab.eu) — ich kann euch dann gerne miteinander vernetzen.


PS: Es muss natürlich kein monkey cage blog sein. Es gibt ja eine Reihe andere Modelle. Auf Europäischer Ebene gibt es zum Beispiel “Ideas on Europe”, was ohne Redaktion auskommt und sich an Forscher richtet, die sich mit der Europäischen Union beschäftigen.

https://www.washingtonpost.com/news/monkey-cage/?utm_term=.0e489e67aceb

Ein anderes Beispiel ist “The Conversation” — ein Medium für Wissenschaftler jeder Fachrichtung. Hier gibt es eine Redaktion und die gesamte Plattform wird im Prinzip wie ein Onlinemedium geführt.

https://www.washingtonpost.com/news/monkey-cage/?utm_term=.0e489e67aceb

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